Hund entlaufen – was tun?

Eiko wand sich aus seinem kleinen Norweger-Geschirr heraus und rannte los…in einer Stadt in der er sich nicht auskannte … viele Kilometer von s einem Zuhause entfernt! Die Freunde der Besitzerin die ihn – wie schon öfter – auf einen kleinen Ausflug mitgenommen hatten, versuchten ihn zurückzurufen…aber der kleine Pudelrüde hörte nichts mehr.

Mehr als zwei Tage später stand er – Landstraßen und Autobahn überquerend, vielen Einfangversuchen erfolgreich ausweichend – durstig und hungrig im Wohnzimmer seines Zuhauses.

Was mag der kleine tapfere Ausreißer wohl erlebt haben, was gedacht, was gefürchtet? Wie hat er den Weg nach Hause gefunden?
Niemand wird das je erfahren, aber eines ist sicher, jeder Besitzer eines tierischen Familienmitglieds wird mitfühlen können, was der Halter in dieser Zeit durchmacht.
Unzählige Telefonate und Kilometer zurücklegend, Plakate aufhängend und elektronisch in Social Media teilend, Hoffen und Bangen, schlaflose Nächte, Tränen und Vorwürfe…

In diesem Fall ging die Geschichte gut aus…doch das ist keine Selbstverständlichkeit, viele sind zwar nach wenigen Stunden wieder zuhause, andere Tiere werden nicht bzw. nur tot gefunden.

Was kann ich im Vorfeld tun? Was kann ich tun, wenn es doch passiert ist?

VORBEUGEN

Ausbruchsichere Geschirre – doppelte Sicherung mit (Panik-) Geschirr und Halsband
Bei der Übergabe eines neuen Hundes – besonders aus dem Tierschutz – oder bei Pausen in Autobahnnähe kommt es immer wieder zu „Ausbrüchen“. Ein verängstigter Hund, der seinen neuen Besitzer noch nicht kennt, daher keine Bindung hat, möglicherweise sogar Angst vor Menschen, wird nur sehr schwer wieder einzufangen sein. Sogenannte Panikgeschirre (mit zwei Stegen am Rücken hinter den Vorderläufen) verhindern relativ zuverlässig ein Ausbrechen. Bei entsprechenden Hunden am besten zügig passend anfertigen lassen, mit Name des Hundes und Ihrer Telefonnummer besticken lassen und bis dahin mit Geschirr und Halsband sichern.

Chip implantieren/tätowieren lassen und den Hund registrieren
Oft erfahre ich im Kunden-Erstgespräch, dass Hunde zwar gechipt, aber nirgendwo registriert sind. Die Nummer jedoch ausschließlich im Impfbuch zu haben, nützt im Verlustfall jedoch wenig! Nur wenn Ihr Tier registriert ist, kann der Chip im Tierheim, Tierrettung ggf. Polizei ausgelesen und Ihnen zugeordnet werden (gleiches gilt übrigens natürlich auch für andere Haustiere).

Daher unbedingt Hund und Chipnummer bei Tasso oder der Heimtierzentrale registrieren lassen. Die Registrierung ist kostenlos (Spenden willkommen), Sie erhalten eine Marke die am Geschirr angebracht wird, im Verlustfall gibt es eine 24-Stunden-Notruf-Hotline, man unterstützt Sie bei der Suche, druckt u.a. Plakate für zum Verteilen, etc.
Mehr Infos und viele Tipps zum Thema unter:

Tasso e.V.
www.tasso.net oder
Deutsches Haustierregister
www.registrier-dein-tier.de

Über www.petmaxx.com, einer Zusammenführung von 32 Haustierzentralregistern weltweit, kann mit einem Klick abgefragt werden, wo die eingegebene Chipnummer eingetragen ist.

Nicht jede Gegend eignet sich zum Freilauf, nicht jede Jahreszeit, ebenso nicht jeder Hund. Gegebenfalls mit Schleppleine laufen – besonders wenn der Hund schon Jagderfolge hatte oder erfolgreicher Ausbrecher ist – und lieber auf einem sicheren, eingezäunten Gelände laufen lassen.

GPS-Tracking
z.B. tractive bietet GPS-Geräte an, die problemlos am Hundegeschirr befestigt werden können. Über Smartphone kann – je nach individuellen Einstellungen – jederzeit festgestellt werden, wo sich der geliebte Vierbeiner gerade befindet. Ebenfalls eingerichtet werden kann eine „Heimzone“, sobald der Hund diese verlässt, erhält man eine Info aufs Handy. Es entstehen geringe monatliche Kosten.
Gerne können Sie den Tracker bei uns vorab testen!

WEG! Und JETZT?

Das Wichtigste: Ruhe bewahren und Profis fragen!

Nachfolgend finden Sie eine Checkliste mit den wichtigsten Punkten von Anette Fruh, sie ist Pet-trailerin für den Raum Baden-Württemberg vom K-9 Suchhundezentrum und unterstützt Sie entweder telefonisch mit wertvollen Tipps oder wenn möglich/sinnvoll zum Selbstkostenpreis mit ihrem Suchhund Bogey direkt vor Ort.

Rufen Sie frühzeitig an und lassen sich für Ihren speziellen Fall beraten (z.B. legen einer Besitzerspur nach Hause oder zum Auto, Geruchsproben bereitstellen, etc.)

Ein Pettrailer sollte schnellstmöglich eingesetzt werden, wenn:

  • der entlaufene Hund mit einer langen Schleppleine unterwegs ist und wahrscheinlich nicht aus dem Geschirr schlüpfen kann.
  • der entlaufene Hund alt, krank oder verletzt ist.
  • keine Sichtung erfolgte und man das Gebiet nicht eingrenzen kann.

Ein einzelner Pettrailer („Haustier-Suchhund“) kann max. eine 3/4 Stunde am Stück arbeiten (ca. 4 km).

Kontakte Pettrailing/Tierrettung

Anette Fruh (Tel. 0170-1717555)
K-9 Notrufzentrale (Tel. 0173-9796666)
www.trailhunde.de
www.suchhunde-zentrum.de

Tierrettung Odenwald, Bernhard Klier
06298/5030688 / 0176-60021537
www.tierrettung-odenwald.de

Tierrettung Unterland 24-Std. Notruf
07132-8599719

Ein Name, der in diesem Zusammenhang auch genannt wird, ist Frank Weißkirchen (www.hundentlaufen.de), er arbeitet hauptberuflich im Bereich der Tiersicherung und setzt Suchhunde, Lebendfallen und Distanznarkose ein. Bitte erkundigen Sie sich hier vor Inanspruchnahme nach den Kosten für Einsatz und Anfahrt.

Lebendfallen können Sie auf Anfrage auch leihweise von Tierheimen oder der Tierrettung erhalten. Infos für Tierbesitzer Hund entlaufen

Weitere wichtige Hinweise ergänzend zur Checkliste von Trailhunde.de:

Schicken Sie am besten ein aktuelles Bild oder das Suchplakat in die umliegenden Tierheime, fahren sie so oft es geht persönlich hin, rufen Sie auf jeden Fall täglich an. Vielleicht sieht der Hund nicht rassetypisch aus oder bei den vielen ehrenamtlichen Helfern des Tierheimes ging die Information verloren, dass der gefundene Hund bereit gesucht wird.

Hunde können ganz locker 30 km pro Tag zurücklegen, in Panik natürlich noch mehr. Informieren Sie daher auch die Tierheime im nächsten Landkreis und verteilen die Suchplakate großzügig.

Tasso rät davon ab, Suchplakate mit der eigenen Telefonnummer zu verteilen und weist auf die Möglichkeit von Betrügereien hin. Ich selbst habe damit (zum Glück!) bisher gute Erfahrungen gemacht. Sichtungen konnten sehr schnell übermittelt werden. Bitte lesen Sie aber in jedem Fall die Hinweise auf www.tasso.net und fallen Sie nicht auf üble Tricks herein.

Achten Sie bitte auch darauf, dass aktuelle Sichtungen nicht öffentlich in z.B. Facebook, o.ö. gepostet werden und damit einen „Suchtourismus“ auslösen, der den Hund aufgrund der Einfangversuche erst recht in Panik versetzt.

Vergessen Sie nicht, alle zu informieren und die Plakate abzuhängen wenn Ihr Tier aufgefunden wurde.